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Glück, wo bist du?

Auf vielen spirituellen Wegen geht es darum, Glück zu vermehren und Leiden zu vermindern. Manche Menschen versuchen deshalb, allem Schwierigen aus dem Wege zu gehen. Dabei bewirken gerade gemeisterte Krisen und Herausforderungen oft große Glücksgefühle. 

Das Leben spart nicht damit, uns immer wieder vor Hürden zu stellen, die nach Entwicklung und Wachstum rufen: „Manche brauchen Schicksalsschläge, um sich voll entwickeln zu können, ihre wahre Stärke zu finden und erfüllt zu leben.“ (*1) Doch die Fähigkeit, Widerstände in erfreuliche Herausforderungen umzuwandeln oder Unglück zu etwas Positivem zu gestalten, ist eine recht seltene Gabe.

Viel verbreiteter ist die Angewohnheit, Glück in äußeren Dingen zu suchen: im richtigen Partner, in Ruhm und Geld, in einem gesunden Körper, im Sport, dem perfekten Auto oder Haus, in der Ernährung, den richtigen Kontakten uvm.

Dabei zeigen viele Studien aus der Glücksforschung, dass gerade dort, wo Menschen um ihr Überleben kämpfen müssen, die Fähigkeit, Glück zu empfinden, viel verbreiteter ist als in unserer Wohlstandsgesellschaft.

Es stellt sich die berechtigte Frage, ob es gelingen kann, dem Glück auf die Sprünge zu helfen? Ob es möglich ist, selbstzerstörerische Tendenzen, die an Leid und Unzufriedenheit binden, loszulassen? Denn was wir oft denken, sagen und tun, brennt sich in unser Gehirn ein und wir werden immer mehr zu dem, was wir dauernd wiederholen. Gute Neuigkeiten für diejenigen, die bereits glücklich sind, schlechte für die, die sich langfristig den ganzen Tag über grämen, beschweren, leiden.

Glücksforscher haben glückliche und unglückliche Leute unter die Lupe genommen und etliche Glücksfaktoren herausgefunden (Liste ist unvollständig):

  • Glückliche Menschen reagieren gelassener auf Belastungen.
  • Sie umgeben sich mit ähnlich lebensfrohen Menschen.
  • Soziale Kontakte und gute Freunde sind große Glücksbringer.
  • Glückliche Menschen haben doppelt so viele Freunde wie unglückliche.
  • Verheiratete Menschen sind glücklicher als unverheiratete.
  • Singen, Tanzen und Lachen machen glücklich.
  • Erfüllende Sexualität und Orgasmen erhöhen die Lebensqualität und das Glücksempfinden.
  • Man kann eine Menge für sein Glück tun.
  • Sich Dinge vornehmen und sie auch umzusetzen, ist ein großer Glücksfaktor. 
  • Für das eigene Glück ist lieben zu können viel wichtiger, als geliebt zu werden.
  • Menschen, die trotz Hindernissen und Rückschlägen weitermachen, sind glücklicher.
  • Ein Glücks- und Dankbarkeitstagebuch ist ein verblüffend einfacher Glücksbringer.

Aber auch weise Menschen und Literatur geben uns Hinweise:

  • Suche das Glück nicht außerhalb von dir, sondern im eigenen Inneren.
  • Niemand anderes kann dich glücklich machen.
  • Glück wächst, indem man es verschenkt.
  • Glück gewinnt man durch die Kontrolle über die eigenen Gedanken und Gefühle.

Freuds Rezept zum Glück heißt „Arbeit und Liebe“. Der Dalai Lama empfiehlt die Schulung des Geistes, damit jede Aktivität zu einer erfüllenden Beschäftigung wird. Eckhart Tolle spricht davon, alles hier in der irdischen Dimension mit Bewusstheit zu erfüllen. Das führt aus dem Verstand heraus ins reine Sein – und dort gibt es niemals Leiden.

Der eigene Weg nach innen und die Meisterschaft des Innenlebens scheinen also das Fundament zu bilden, auf dem die Glücksbringer in der Außenwelt gedeihen können. Für mich bedeutet das schon seit mehr als dreißig Jahren tägliche Meditation und Geistesschulung. Die Früchte, die ich daraus ernten darf, gebe ich gerne in meinen Seminaren weiter.

 „Gib dem Hungernden keinen Fisch, sondern eine Angel.“ Das würde ich gerne zum Motto meiner Arbeit erheben. Jedoch besuchen viele Menschen die Seminare, um sich erst einmal am Fisch satt zu essen. Das Interesse an der Angel, also der eigenen inneren Arbeit, entsteht meist erst später.

Viele der oben genannten Glücksfaktoren findet man tatsächlich bei Tantraseminaren: Menschen, die in einer achtsamen und liebevollen Atmosphäre miteinander Herausforderungen meistern, Ungutes aus der Vergangenheit auflösen, mit Meditation die Seminartage durchweben, sich mit dem eigenen Inneren verbinden, Frieden mit Eltern und Herkunft finden, Tanzen, Singen, Lachen, körperliche Berührung und erotisches Miteinander – sozusagen ein kleines Glücksschlaraffenland:

„Ich liebe die Rituale- wie in einem heiligen Tempel – und die Tage sind gefüllt mit Tiefe und Leichtigkeit, Lachen und Weinen, Lust, Leidenschaft und Zartheit, Meditation, Stille und wildes Tanzen, alles hat seinen Raum in Achtsamkeit miteinander und Wertschätzung füreinander. Für mich sind diese Tage immer wie eine Rückkehr ins Paradies.“  (von C.S.)

„Ein Märchen aus 1001 Nacht ist wahr geworden. Mein Herz hat sich nicht nur für die anderen, sondern auch für mich selbst ganz weit geöffnet und meine Seele wurde so tief berührt, wie niemals zuvor.“  (von A.G.)

So ergeht es den meisten Teilnehmer/innen und ich bin immer wieder berührt von den schönen Feedbacks. Bleibt jedoch die Frage, was von diesen glücklichen Tagen in den Alltag mitgenommen werden kann. Viele Menschen berichten, dass die positive und beglückende  Wirkung der inneren Arbeit bei den Seminaren Wochen lang (und manchmal auch Monate lang) den Alltag verwandeln. Aber früher oder später ist die Batterie wieder leer, und man muss wieder an die Ladestation. Spätestens nach einigen Ladevorgängen wird klar, dass die im „Labor“ gemachten Erfahrungen nur dann dauerhaft im Alltag gelingen, wenn die Betroffenen nun die Angel nutzen, die ihnen während und nach jedem Seminar für den Alltag mitgegeben wird. 

Die tägliche Gedankenhygiene und Meditation ist dabei ein längerfristiges Projekt, was es ermöglicht, immer mehr von dem zu tun, was einem gut tut. Durch steigende Bewusstheit erkennt man immer schneller Glückskiller wie Jammern, Klagen, Angreifen, Widerstand leisten, Stress und chronische Unzufriedenheit und kann stattdessen Heilsames tun und denken. Die sich entwickelnde Geisteskraft (Angel) hilft, all die Energie zu befreien, die sonst an Sorgen, Kummer, Langeweile und sinnlose Tätigkeiten verschwendet werden würde. Die Qualität der Erfahrungen im Alltag wird auf eine höhere Stufe gehoben, wenn sie mit Bewusstheit durchdrungen werden. Denn Glück bedeutet, im Fluss zu sein, anstatt einfach unbewusst vor sich hin zu dümpeln.

„Wenn du dich an einfachen Dingen freuen kannst wie dem Klang des Regens oder Windes, wenn du die Schönheit der Wolken sehen kannst, die am Himmel ziehen und bisweilen gern allein bist, ohne dich einsam zu fühlen oder einen mentalen Reiz zu deiner Unterhaltung zu brauchen, wenn du einen vollkommen fremden Menschen mit Herzlichkeit und Güte behandeln kannst, ohne irgendetwas von ihm oder ihr zu wollen, heißt das, dass sich ein Raum in dir geöffnet hat, und sei es auch nur als kurze Unterbrechung im unaufhörlichen Strom der Gedanken. Sobald dies geschieht, stellt sich ein Wohlgefühl ein, ein lebendiger Friede, wenn auch vielleicht nur ganz leise. Dieses Gefühl kann sich von einem leichten Hintergrundgefühl der Zufriedenheit bis hin zu dem steigern, was die alten Weisen Indiens Ananda nannten – die Glückseligkeit des Seins.“ (*2)

(*1) aus Eckart von Hirschhausen, Glück kommt selten allein, S.74

(*2) aus Eckhart Tolle, Eine neue Erde, S. 243-244)

Text: Regina Heckert

Webseite: www.befree-tantra.de

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Regina Heckert

Regina Heckert ist 1956 geboren. Sie hat bereits als junge Frau Tantra Rituale entwickelt und zelebriert, später dann auch Tantra im Außen gefunden und bei vielen Lehrern „studiert“. Ihre tantrische Arbeit wird ergänzt, erweitert, vertieft und bereichert durch die Anbindung an alte tantrische Texte und Überlieferungen, zeitgemäße spirituelle Weisheit und Lehren, sowie die Aufstellungsarbeit nach Bert Hellinger.

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