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Ausgehend von meinen persönlichen Erfahrungen schreibe ich zu dem Thema „Tantra und Schamanismus“. Mit Tantra kam ich 2013 in Kontakt, seit 2011 mit Schamanismus. 5 Jahre war ich gleichzeitig in beiden Richtungen bei mehrfachen Seminaren pro Jahr aktiv.

Mit Bewusstseinserforschung und Bewusstwerdung beschäftige ich mich seit 1993, besonders intensiv mit Hatha-Yoga als Yogalehrer.

Selbsterkenntnis und Bewusst-Werdung

Tantra habe ich erlebt als Weg zur Selbsterkenntnis und zum Bewusst(er)Werden über intensiven ehrlichen Austausch zwischen Frau und Mann über alle Fragen des Seins mit ihren speziellen Energien und der Dynamik bei offener Begegnung und achtsamer Berührung.

Das bedeutete auch Öffnung für und Erkennen von eigenen Mustern, Prägungen, Verhaltensweisen, um dann Auswege davon zu erfahren und einzuüben. Achtsames Sein, in Stille gehen, Wahrnehmen von Gedanken und den Antriebskräften bei sich selbst und in der Interaktion mit dem weiblichen Gegenüber. 

Bei vielfältigen Seminaren des Tantra-Instituts wurde ich immer wieder in den feinspürigen Raum in mir geleitet, durch achtsames Sein, z.B. im Gehen, Atmen, Wahrnehmen von innerer Befindlichkeit, bis zu feineren energetischen Wahrnehmungen. All das führte zu mehr innerem Frieden, ermöglichte mir, alte einschränkende Muster zu ändern und ein inneres Glücklich-Sein im Sinne von Selbsterkenntnis und einer gezielten Bewusstseinsentwicklung zu erleben.

Ich erlebte und erlebe das als auf und ab der inneren Befindlichkeiten. Es gibt so viele eingespielte Muster, zum Teil oft lange im unbewussten Bereich verborgen, die mich immer wieder beschäftigen. Es sind auch die über Generationen weitergegebenen Lebens- und Sozialisierungsmuster die uns in Atem halten. Im Tantra trete ich an, diese anzuschauen, bewusst zu machen, zu hinterfragen und zu einem glücklicheren Dasein zu wenden. 

Die Einheit mit dem Einen Bewusstsein erfahrbar machen 

Gleichzeitig mit den tantrischen Erlebnissen erfuhr ich in dieser Zeit eine Lehre über den paläolithischen Schamanismus von einem nordamerikanischen Nativ-Indianer und Schamanen. Das Ziel ist auch hier, die vorhandene immerwährende Einheit mit dem Einen Bewusstsein (dem Großen Geist) – und damit mit allem auf der Erde – wieder in sich zu beleben und erfahrbar zu machen, aber unabhängig von den geprägten Erfahrungen und einer Auseinandersetzung mit ihnen. 

Der Weg dazu ist: 

1. Das Lernen des alten Wissens über die Grundlagen des Einheitszustandes als Lehrvortrag des Schamanen. 

2. In „Traumreisen“ mit dem Klang der Trommel, das eigene Erfahren von sich selbst als ein spirituelles, unendliches, nicht-materielles (Licht-)Wesen, als weitere Realität neben der Realität der materiellen körperlichen Existenz auf der Erde. Auch beschrieben als natürlicher Seins-Zustand der besteht, bevor dieses Wesen in einem menschlichen Körper in der materiellen Realität auf der Erde erscheint. Der Zustand, der energetisch/spirituell immer war und immer sein wird und den wir als Kinder in den ersten Lebensjahren noch haben.

Das Trommeln mit der Oberton-Schamanentrommel nimmt eine bedeutende Rolle dabei ein. Es ist eine innere „Reise“, die der Klang der Trommel begleitet und hervorruft, mit klarem geistigem Bewusstsein und immerwährender innerer Aufmerksamkeit. Eingesetzt werden zudem die in uns angelegten spirituellen Sinne des Gewahrseins und der Wahrnehmung, durch bewusste Sammlung der inneren Ausrichtung an der Mitte der Stirn und ausgehend von dort.

Gewahrsein und Wahrnehmung treten hervor in einer Art bewusstem Trancezustand, in den der durchdringende rhythmische Trommelton hineinführt. Mit diesen Sinnen geht die Reise in die nichtmateriellen Ebenen z.B. zu Tiertotems und anderen Naturwesen ohne physisches Dasein. Wahrnehmungen in dieser Ebene können dann z.B. die Kommunikation mit diesen Wesen sein, oder das Sehen von Bildern, die dann nach Rückkehr von der „Reise“ als reale Bilder reproduziert werden können.

Eine Vielzahl dieser Art Reise-Rituale, fortschrittlich aufeinander aufbauend, führen dazu, den Verstand von der Echtheit dieser Erfahrungen zu überzeugen. Dazu kommt das wahrhaftige Erleben der anderen – gleichzeitig vorhandenen – spirituellen Realität des Seinsdes friedlichen und glückseligen Seins, das wir immer waren, sind und wieder sein werden.

Mit schamanischen Erfahrungen die tantrischen Erlebnisse besser verstehen

Im Tantra habe ich den friedlichen inneren Zustand, Einheits- und Stille-Zustände und innere Glückseligkeit als schöne, inspirierende, aber nicht wirklich erklärbare Erfahrung gemacht. Das schamanische Wissen und die Erfahrungen damit, haben ergänzend und entscheidend dazu verholfen, das Erlebte im Tantra zu verstehen, die Hintergründe dafür zu kennen und auf einer völlig anderen, noch tieferen Ebene als andere Realität zu erleben.

Die tantrische Ritualbegrüßung „Namasté, ich grüße das Göttliche in dir“ habe ich, verbunden mit dem spirituellen Sein aus schamanischer Sicht, als sehr stimmig aufgenommen, herzlich ausgetauscht und mit innerer Freude genossen.

Ich blicke so darauf, dass meine Erfahrung im Tantra für sich alleine, innerhalb meiner Prägung und Sozialisierung stattfindet und nur dementsprechend sein kann, da ich in diesem Bewusstsein zuhause bin und alles nur daraus werten kann.  Die schamanische Ausrichtung und der Umgang mit dem spirituellen Wesen, das ich in dem materiellen Körper bin, verhilft mir, das normale Bewusstsein zu überschreiten und in einer parallelen Bewusstseinsrealität eine weitere befreiende und noch tiefergehende Einheits-Seins-Ebene zu erfahren. 

Erst diese erlebte Wahrheit und Ausrichtung darauf, legte für mich den Grundstein für den Blick auf die tatsächlich erlebbare Existenz eines immer vorhandenen, glückseligen Seins.

Zugegebenermaßen ist aber das alltägliche Leben dieses spirituellen Seins, mit jahrelanger anderer Prägung ausgestattet, eine Aufgabe der inneren bewussten Ausrichtung, und ein Üben mit den spirituellen Sinnen immer wieder und wieder. Aber so eine beruhigende „Basis“, die viele Stürme meines Menschseins im Alltagsleben trägt und ausgleicht, habe ich nie zuvor erlebt.

Text: Gerd Schmid

Gewahrsein und Wahrnehmung
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