Was darf eine Tantramassage kosten?

In der heutigen Zeit wird nahezu alles schneller und verfügbarer. „Coffee to go“ ist da ein typisches Beispiel. Berührung und Begegnung sind nicht erst seit der Erfindung der Tantramassage käuflich. Aber mit Dienstleistungen ist das meist so eine Sache. Viel zu oft werden sie von unerfahrenen Selbstständigen nahe der Grenze zur Selbstausbeutung angeboten. Gleichzeitig wird versucht, die Verfügbarkeit des Angebots so hoch wie möglich zu halten. Was, also, darf eine Tantramassage kosten? Oder sind professionelle Angebote überflüssig?

Ja, muss denn aus der wunderbaren Tantramassage ein Broterwerb werden? Kann dieser Dienst am Menschen nicht als spiritueller Erfahrungsraum und als verbindendes Element gänzlich privat bleiben? – Dazu zeigt mir die (berufliche) Erfahrung, dass ein zu großer Bedarf besteht. Vielleicht existieren Tantramassagestudios aufgrund des Unvermögens der massierenden Privatleute, oder doch eher aufgrund des fehlenden Unvoreingenommenseins dem vertrauten Partner gegenüber – wenn denn gar ein Partner vorhanden ist? Den „Luxus“ eines altruistisch verehrenden und nicht wertenden Massagemediums mag so manches Individuum nicht ausschlagen. Neue Eindrücke und Erfahrungen, abseits des bisher Erlebten, tun sich ungezwungener auf. In wechselseitigen Partnermassagen scheint dieses Erleben eingeschränkt. Vieles ist, eher unbewusst, dem Partner geschuldet.

Gefahr der Selbstausbeutung

Da nun der Bedarf nach Selbsterfahrung real zu existieren scheint, kommen wir zum Thema Preisgestaltung. Wieviel Zeit beansprucht eine ausreichend ausgiebige Tantramassage mit Vor- und Nachbereitung? Unter 90 Minuten reiner Massagezeit wird daraus selten eine runde Sache. 120 Minuten sind fast schon eine Minimalanforderung. Ein tiefergehendes Vorgespräch gelingt kaum unter 30 Minuten. Nachspürzeit, eventuelles Frischmachen auf dem Bad und ein aufschlussreiches Nachgespräch fordern ihre Zeit. Am Ende können zwischen 2 1/2 und  3 1/2 Stunden intensivster Betreuung entstanden sein. In der Regel werden Massierende nicht mehr als zwei Termine pro Tag vergeben (können). Die administrativen Arbeiten fallen selbstverständlich ebenfalls an. Dazu gesellen sich die laufenden Kosten für Raummiete, ein eventuelles Fahrzeug, Materialien, Umsatzsteuer, Versicherung, Werbung … .

Will man auf diese Weise seinen Lebensunterhalt bestreiten, so ist die anfängliche Frage abzuändern in: „Was muss eine Tantramassage kosten?“. Nach reiflicher Überlegung sind Preise für Massagen, wie im oben angedeuteten Zeitrahmen, weit oberhalb der 150-Euro-Marke unvermeidbar. Andernfalls landet „Jemand*e“ ganz schnell im oben erwähnten Bereich der Selbstausbeutung.

Was bin ich mir wert?

Lange habe ich überlegt, wie ich mich preislich positioniere, damit ich am Markt angenommen werde. Irgendwann habe ich diese Richtung der Fragestellung aufgegeben. Es war erschreckend, festzustellen, dass nicht der günstige Preis die gewünschte Resonanz brachte. – Es tut schon ganz schön weh, wenn ein unverschämt preiswertes Angebot dazu führt, dass die generierten Einnahmen quasi keinen Gegenwert zur aufgewendeten Zeit darstellen. Erst eine andere Fragestellung führte zu verbesserten Ergebnissen und zu deutlich sichtbarerer Zufriedenheit: Was bin ich mir wert?

Die Antwort zum eigenen Wert ist nicht zu unterschätzen, wenn Ausgeglichenheit und Freude an der Arbeit das Ergebnis entscheidend beeinflussen. Aus diesem Grund überprüfe ich meine Leistung und meine Zufriedenheit regelmäßig und passe den Preis gegebenenfalls an. Das bin ich mir wert! Zur einfachen Überprüfung reicht an jedem Monatsende die Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben, kombiniert mit dem Gefühl der (Un-)Zufriedenheit. Ist das Ergebnis insgesamt negativ, dann bleibt der eigene Wert auf der Strecke. So soll und darf es dann nicht weitergehen. Motiviert vom eigenen Tun und bei adäquater Entlohnung, bleibt die Qualität meiner Arbeit sowie die damit verbundene Zufriedenheit meiner Kund*innen gewährleistet.

Was ist mir eine Tantramassage wert?

Als Kund*in stelle ich mir die Frage: Möchte ich für eine Tantramassage bezahlen? Und wenn ja, wieviel? Auch hier spielt die Überlegung nach dem eigenen Wert, neben dem verfügbaren Budget, wieder eine entscheidende Rolle. Wird erkannt, dass persönliche Entwicklungsschritte mit einem/einer erfahrenen Tantramasseur*in sicher zu gehen sind, dann wird jeder Euro gut investiert sein!

Text: Ralf Buchty

Website: tantramassage.ralfbuchty.de

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Ralf Buchty

Jahrgang 1959, Heilpraktiker für Psychotherapie mit den Schwerpunkten systemische Paar- und Sexualtherapie, Certified Sexological Bodyworker (IISB Zürich), Sexualpädagoge (isp Dortmund), seit 2008 Tantramasseur in eigener Praxis. 2014 Institutsgründung Sexological Bodywork NRW (Workshops, Seminare, Kurse).

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