Hilfe, Frauenkreis!

So dachte ich als junge Frau. Wenn in einer Gruppe von Menschen nicht mindestens ein Mann dabei war, fand ich die Zusammenkunft langweilig und uninteressant. Ich war ganz auf Männer fixiert und auf das schöne erotische Spiel mit ihnen. Erst später wurde mir bewusst, dass ich als damalige Vatertochter mit dem reinen Frausein nichts anfangen konnte. Meine Mutter und die Frauen aus der Familie hatten das Bild der schwachen Frau geprägt, die dem Mann untertan war. Ich sah sie bei Kaffeekränzchen über die dominanten Männer schimpfen und sich in der miteinander geteilten Opferhaltung zu verbünden. Frausein schien ein leidvolles Schicksal zu sein. Kein Wunder, dass ich diesem als heranwachsende Frau möglichst entkommen wollte.

Der Ausweg schien zu sein, mich mit männlichen Bekannten und Freunden zu umgeben. So war es kein Wunder, dass ich mich inmitten von Frauen bei meinem ersten Frauenkreis in noch jungen Jahren gar nicht wie eine Frau fühlte. Ganz im Gegenteil. Ich kam mir plötzlich innerlich sehr männlich vor und der vorgeschlagene Satz „Ich bin gerne eine Frau“ wollte mir nicht von den Lippen kommen.

Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen und den damals für mich schweren und unvorstellbaren Weg zur Mutter und zu den Frauen habe ich gemeistert. Die Anbindung an die Mutter und die Ahninnen forderten mir jedoch einiges ab. Ich musste viele seelisch schwere Hürden überwinden. Heute kann ich mit Stolz behaupten, dass ich mit Haut und Haaren eine Muttertochter geworden bin: Ich liebe es, eine Frau zu sein. Unter Frauen fühle ich mich pudelwohl. Sie haben mich mit einem neuen Blick auf die Ahninnen beschenkt und mich als Frau bindungs- und liebesfähig gemacht. Habe ich vorher als Vatertochter bestenfalls zur Geliebten getaugt, bin ich jetzt schon seit Jahrzehnten eine glückliche Ehefrau geworden. Ich verehre das Weibliche in mir und um mich herum, und genieße das Männliche außen und innen. Aber die Heimat, die mich nährt und die ich immer wieder genieße, ist der Kreis der Frauen.

Das Mutterheilritual

Was ich mir selbst erobert habe, gebe ich natürlich in meinen Seminaren weiter. Dort hat das Mutterheilritual einen festen Platz. Wer als Frau in Frieden mit der Mutter und Herkunft ist, verfügt über mehr Lebenskraft und Liebesfähigkeit. Unabhängig davon, was wir als Kind erlebt haben, ist Hinwendung und Heilung möglich. Und dann kann sich das Potenzial eines Frauenkreises erst richtig und unbeschwert entfalten: Die erotische Frau, die von anderen Frauen geschmückt und ermuntert wird, beginnt zu tanzen. Gemeinsam erkunden wir die wirkliche weibliche Lust und bringen sie in die Welt. Wir bestärken uns gegenseitig, den Mann wertzuschätzen und in ihm auch seine männliche Herkunft zu achten. Der weibliche Körper wird aus der Verbannung und Abwertung herausgeholt und gefeiert. Jede Frau wird so zu einem Ausdruck der weiblichen Urkraft. Ob Frauen miteinander ekstatisch tanzen, einander halten und nähren, miteinander ihre sexuellen Fragen und Geheimnisse besprechen, oder einander helfen, die individuellen und kollektiven Frauenwunden zu schließen, in jedem Falle richten sie einander auf und erfahren ihre wahre Größe und Verantwortung. Die Opferhaltung darf mehr und mehr der Vergangenheit angehören, wenn Frauen lust- und freudvoll miteinander erwachen. Dann sind sie ein Geschenk für die Männer und für die Welt.

Fast bei allen gemischten Seminaren gibt es kleine oder größere Frauenkreise. Parallel dazu stärken sich auch die Männer untereinander. Und Frau und Mann freuen sich danach umso mehr auf eine ganz neue und achtungsvolle, und viel tiefere Wiederbegegnung und Wertschätzung.

„Mein Frauenherz singt heute noch das liebliche Lied von weichen zarten Körpern, achtsamer Nähe, Geschnatter wie in Kindertagen mit leisem und lautem Lachen. Bin meinem verletzlichen Kind, meiner Mutter als auch ihr als Kind in meinem Inneren begegnet – es erfüllte mich mit Geborgenheit, Licht, Liebe und Verständnis – letztendlich geschah Heilung. Mein Partner war begeistert; wenn Du so von einem Seminar kommst, dann mach‘ noch ganz viele davon.“ (Feeedback einer Seminarteilnehmerin aus einer Frauengruppe)

Was hat meine Mutter mit meiner Sexualität zu tun? (Artikel) >

Text: Regina Heckert

Website: www.befree-tantra.de

Hilfe, Frauenkreis!
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Regina Heckert

Regina Heckert ist 1956 geboren. Sie hat bereits als junge Frau Tantra Rituale entwickelt und zelebriert, später dann auch Tantra im Außen gefunden und bei vielen Lehrern „studiert“. Ihre tantrische Arbeit wird ergänzt, erweitert, vertieft und bereichert durch die Anbindung an alte tantrische Texte und Überlieferungen, zeitgemäße spirituelle Weisheit und Lehren, sowie die Aufstellungsarbeit nach Bert Hellinger.

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4 thoughts on “Hilfe, Frauenkreis!

  • 2. Mai 2019 um 23:25
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    Hilfe Frauenkreis, das denke ich noch immer!
    Auch ich bin eine Vatertochter. Dennoch war und bin ich schon immer gern eine Frau. Auch habe ich mich inzwischen in Heilritualen mit Mutter und Vater verbinden können und mich von großer Last befreit.
    Dennoch: Hilfe Frauenkreis! Zumeist strengt es mich einfach nur an unter Frauen zu sein. Ich empfinde mich irgendwie als „Fremdkörper“. Nein, ich kann diese stärkende Kraft dort für mich nicht finden. Wenn dann noch von Emanzipation und „Opferrollen“ oder gar über die weibliche Lust und deren Probleme „gefachsimpelt“ wird, dann meldet sich bei mir der Fluchtinstinkt.
    Von Männern bekomme ich hingegen ehrliche Komplimente, obwohl ich dafür eigentlich gar nichts tue. So bin ich gern Frau unter Männern, nähre mich von deren männlicher Energie und fühle mich bestärkt als Frau. Und das Beste: Männer sind selten nachtragend, überhaupt nicht zickig und herrlich unkompliziert!
    Ich bin gern eine Vatertochter, gern eine Frau, aber Hilfe Frauenkreis!
    Vielleicht ändert es sich noch? Aber warum? Für mich fühlt es sich stimmig an, wie es ist.
    Petra L. (DD)

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    • 3. Mai 2019 um 14:13
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      Liebe Petra,
      danke für Deinen Beitrag. Du sprichst sicherlich einigen Frauen aus dem Herzen, denen es ebenso ergeht. Bei mir selbst gab es schließlich doch eine Hinwendung zur Mutter und zu den Frauen. Inzwischen genieße ich auch den Frauenkreis als Heilkraft an sich. Aber der Weg zur Mutter und zu den Frauen war nicht leicht. Früher sah ich meine Mutter und die Frauen fast alle in der Opferrolle. Und da wollte ich definitiv nicht dazu gehören. Jetzt schaue ich anders, auch auf die Frauenvorbilder meiner Kindheit. Ich sehe auch die Macht des Opfers. Und ich kann über das ganze Opferding auch einfach hinwegschauen mitten hinein ins Menschliche. Heute habe ich tiefsten Respekt und Hochachtung für meine Mutter und die Frauen. Meine Mutter war sehr unterdrückt durch meinen dominanten Vater. Trotz allem hat sie immer ihr „Eigenes“ bewahrt, wenn auch oft heimlich und hinter seinem Rücken. Seit er in hohem Alter vor zwei Jahren verstorben ist, blüht sie trotz körperlicher Gebrechen total auf. Für mich wird nochmal wie als Geschenk eine starke, kreative und immens lebensbejahende alte Frau sichtbar. Sie strahlt wie ein Stern. Demnächst kommt das Fernsehen, um eine Reportage über sie zu machen. Sie ist im Altersheim und schreibt gerade ihr viertes Buch. Ich bin total stolz auf sie und freue mich, wenn ich viele Anteile von ihr auch in mir sehe. Für´s Alter ist sie mir uneingeschränkt das maximale Vorbild an lebenskraft trotz gebrochenem Körper! Liebe Herzensgrüße, liebe Petra!

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  • 6. Mai 2019 um 12:35
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    Liebe Regina,
    dies ist ein wunderschönes, ergreifendes Plädoyer für das Alter und dessen Weisheit. Solchen Frauen (und auch Männern) gilt mein tiefster Respekt! Leider habe ich nur meine Oma und meinen Opa als Vorbilder. Sie starben schon während meiner früheren Kindheit.
    In Frauenkreisen finde ich leider fast nur Selbstbehauptung oder Selbstmitleid. Das Bild von Opferrollen mag ich nicht. Männer sind davon ebenso betroffen, ob durch Krieg, gnadenlose Arbeitswelt und/oder unterdrückte echte Männlichkeit.
    Die tantrischen Rituale verbinden des Männliche und Weibliche fern von Opferrollen und lassen beide Geschlechter zu sich und zum jeweils anderen sich öffnen und Raum für wahrhaftige Begegnung. Heilung fernab von Klischees und Opferrollen. Danke dafür!
    Herzensgrüße Petra

    Antworten
    • 9. Mai 2019 um 14:36
      Permalink

      Liebe Petra,
      danke für Deine wertvollen Worte, gerade auch, was Männer betrifft! Und wie schön, dass es die tantrische Welt gibt, bei der uns die Möglichkeit geschenkt wird, jenseits der Dualität Erfahrungsräume zu betreten, wie ein Segen für jedes menschliche Wesen, egal ob Mann oder Frau!
      Sei von Herzen gegrüßt
      Regina

      Antworten

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