Was hat Tantra mit Sexarbeit zu tun?

Ein Jahr neues Prostituiertenschutzgesetz

 

Einsichten und praktische Erfahrungen

 

„Das Prostituiertenschutzgesetz schützt die Prostituierten so wenig, wie der Sonnenschutz die Sonne schützt.“  ist ein oft zu lesender Satz …

Die Auswirkungen des geplanten Prostituiertenschutzgesetzes waren für mich, Silvya, früh spürbar. Eine der Tantramassagepraxen, in denen ich arbeitete, beschloss direkt nach Verabschiedung des Gesetzes und des Gutachtens, in dem stand, dass die Tantramassage unter das Gesetz fällt, zu schließen. So wussten wir schnell, dass unser letzter Arbeitstag der 30.6.2017 sein würde und hatten Zeit, uns von unseren Gästen zu verabschieden. Viele Kolleginnen dieser Praxis massieren inzwischen gar nicht mehr, einige in anderen Praxen oder eigenen Räumen.

In verschiedenen Internetforen lasen wir von vielen – sowohl persönlich als auch nur durchs Internet bekannten Kolleginnen, dass sie aufhörten. Andere versuchten, sich unsichtbar zu machen.

Als der 1.7.2017 näher rückte, wurde ich, Silvya, zunehmend unsicher, was wäre, wenn auch die anderen Orte, an denen ich tätig sein darf, früher oder später dem Gesetz zum Opfer fielen. Arbeitslos werden wollte ich auf keinen Fall.

Das Universum schickte uns einen eigenen Raum, mit dem wir in räumlicher Nähe zu meinem Wohnort ein neues Standbein aufbauen konnten. Immer wieder hören wir von schließenden Praxen und von Kolleginnen und Kollegen, die von Behörden kontaktiert werden und genießen unsere Oase umso mehr. Uns zu verstecken, unsere Massage umzubenennen, gar auf das Wort „Tantramassage“ zu verzichten, kam für uns nicht in Frage. Wir sind mit ganzem Herzen dabei. Wir haben uns weitergebildet, haben die Sexualbegleitung ISBB hinzugenommen und unser Tätigkeitsspektrum um Angebote für Behinderte erweitert.

„Was hat Tantra mit Sexarbeit zu tun?“ war die Ausgangsfrage. Tantra oder Tantramassage? Bleiben wir bei der Tantramassage und der Sexarbeit. Sex ist Arbeit? Ja schon, aber Tantramassage hat ja nichts mit Sex zu tun. Wenn wir nun Sexarbeit als Arbeit mit Sexualität, und zwar der Sexualität unserer Kunden und Kundinnen verstehen, dann kommen wir der Verbindung von Tantramassage und Sexarbeit schon wieder näher.

Sexarbeit ist ein Wort, mit dem wir gut leben können. Prostitution dagegen ist etwas, womit die meisten Menschen Dinge verbinden, die mit unserer Arbeit wenig zu tun haben. Doch nach dem aktuellen Gesetz ist es in Deutschland im Moment so, das Tantramassage Prostitution ist. Ob wir das wollen oder nicht. „Du bist Sexworker/in“ hört sich anders an als „Du bist Prostituierte/r“. Warum fällt es mir schwer, mich als Prostituierte zu bezeichnen? Dem Mann vom Amt fällt das doch ganz leicht und wir kennen viele wundervolle Kolleginnen, denen die Aussage „Ich bin Prostituierte“ ebenfalls leicht über die Lippen geht.

Vielleicht tue ich mich auch schwer mit dieser Begrifflichkeit, weil einige Kunden ein Problem damit haben. Natürlich ist das neue Gesetz für manche Kunden ein Thema, andere haben nie davon gehört. „Du bist doch keine Prostituierte!“ „Ich komme doch zu dir, weil ich eben nicht zu einer Prostituierten gehe!“

Bleiben die Kunden deswegen weg? Im Moment noch nicht. Wie es sein wird, wenn wirklich irgendwann Kontrollen kommen, möchten wir uns nicht ausmalen. Dazu lieben wir unseren Beruf zu sehr.

 

Text: Silvya und Stephan, Tantrapicassomassagen Bochum

Webseite: www.tantrapicassomassagen.com

Was hat Tantra mit Sexarbeit zu tun?

Silvia Sun

Jahrgang 1971, hauptberufliche Tantramasseurin seit 2010 Silvia und Sexualbegleiter ISBB seit 2017. Workshopleitung seit 2016, in eigenen Raeumen in Bochum seit 2017. Ausbildungsweg von Ananda Wave ueber TantraConnection und Kolja Kaiss zu DIAMOND LOTUS, von dort zertifiziert als Tantramasseurin nach Andro.

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