Vorbild für eine andere Art von Begegnung zwischen Mann und Frau

Wenn Shivas und Shaktis im tantrischen Raum für eine Zeit lang getrennte Wege gehen und sich dann wieder begegnen, d.h. wenn Männer und Frauen Zeit haben, sich in ihrer eigenen Energie zu finden, sich mit gleichgeschlechtlichen Menschen zu verbinden, zu nähren und gegenseitig zu unterstützen, dann entsteht eine Offenheit und heilige Bereitschaft, das andere Geschlecht neu zu sehen und neu zu ehren.
Was im Männerkreis passiert, weiß ich nicht genau, aber die Shivas sind, wenn sie aus dieser Zeit wiederkehren, in der Regel präsenter, selbstbewusster und zentrierter.
P1040551Im Frauenkreis öffnet sich ein heilsames Feld für die tiefe Sehnsucht der Frauen, einfach SEIN, sich in ihrem Körper entspannen zu dürfen und sich aus (übernommenen und selbst-kreierten) Ansprüchen von Für-andere-da-Sein, Stark-Sein, Schön-Sein, Leistungsfähig–Sein herauszulösen. Die Einladung ist, das Fließen mit dem, was sich gerade zeigt, mit Gefühlen und Körper zuzulassen, gehalten von anderen Frauen. Es ist zutiefst nährend und wohltuend, in diesem „weiblichen Space“ zu sein.
Dann ist es am Ende einer solchen Frauenzeit eine Freude,  gestärkt und mit sich selbst in tiefer Verbindung, den Shivas neu zu begegnen.

Zu Beginn des Wiederbegegnungsrituals empfangen die Shaktis die Shivas, beide singend und verneigen sich mit dem Namasté, “Ich grüße das Göttliche in dir“. Die Augen strahlen und die Herzen sind weit geöffnet.
Dann beginnt das eigentliche Ritual, beide Gruppen stehen im Halbkreis voreinander, einzelne treten vor, um aus dem Herzen mitzuteilen, was sie sich vom anderen Geschlecht wünschen, wie sie gesehen werden wollen. Sie können sich bedanken, sie können sich verneigen.
Einmal hat sich eine junge Frau lang auf die Erde gelegt und sich vor dem Schmerz der Männer verbeugt. Oder eine Frau lag in Tränen aufgelöst auf einer Matte in der Mitte der beiden Halbkreise. Sie konnte nur so an dieser Wiederbegegnung teilnehmen – alle Männer haben sich vor ihren Tränen und ihrem Schmerz verneigt. Solche Momente berühren zutiefst und sind kollektiv heilsam.

P1040511Andere Möglichkeiten, die Lebensfreude einladen, sind, im großen Kreis füreinander zu tanzen oder tönen, oder je eine Frau im Männerkreis / je einen Mann im Frauenkreis liebevoll zu berühren oder zu halten. Auch dieses freudvolle Miteinander kann zu Tränen rühren, die Sehnsucht nach einer Begegnung, in der das Sein der Shakti als Geschenk für den Shiva erlebt und das Sein des Shivas als Geschenk für die Shakti empfunden werden kann, ist groß.
Wenn solche Erfahrungen in den Alltag wirken, dann kann dies eine Inspiration sein für Mann und Frau. Sie können einen Umgang miteinander kultivieren, bei dem die Verehrung als göttlicher Shiva und göttliche Shakti mitschwingt und jederzeit ausgedrückt werden kann:
„Namasté, ich ehre dich und danke dir, dass du diesen Weg mit mir gehst! ­Ich bin immer wieder neugierig auf dich – bereit, dich neu zu sehen, zu erleben und zu entdecken.“

Dafür braucht es beides, das nährende Sein im Kreis mit gleichgeschlechtlichen Menschen und eine achtsame, verehrende Wiederbegegnung mit dem Partner/der Partnerin, immer wieder neu.

Text: Sylvia Vette-Rüggen (Pädagogin, Tanztherapeutin, Yogalehrerin, Sexologin)
Website: www.sylviavette-rueggen.de

Wenn Shiva und Shakti sich neu begegnen
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Sylvia Vette-Rüggen

Sylvia Vette-Rüggen ist Pädagogin, Tanztherapeutin, Yogalehrerin und Sexologin

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